Investition in Rottweil

Wir Rottweiler sollten auch eine haben…. ….Singen hat eine, Schramberg hat eine und sogar Herrenzimmern hat eine. Warum also sollten wir in Rottweil nicht auch eine haben. Eine Ruine.

Nach Testturm und der sich in Planung befindlichen Hängebrücke „Neckar Line“ arbeiten Stadtverwaltung und ACTIV-Group an der nächsten Attraktion: der Duttenhofer-Ruine.

Musste oder muss man bei Turm und Brücke noch aktiv sein, genügt bei der Villa Duttenhofer die bisherige Vorgehensweise vollkommen - zu wenig bis nichts zu tun. Mehrere Gespräche mit der Stadt erfolgten mit ernüchterndem Ausgang. OT Stadt: „…wir nehmen das mit“. Grimm: „..ja, aber wohin denn?“ Mehr war keinem der Gesprächspartner zu entlocken. Das ist zu wenig. Zu wenig für die erhofften Rottweil-Besucher und vor allem zu wenig für uns Rottweiler.

Die Villa Duttenhofer und deren Terrasse waren zentraler Versammlungs- und Wohlfühlort der Rottweiler und müssen es wieder werden. Aus der Villa Duttenhofer Büroräume zu machen, wäre Verschwendung. Dass es nicht einfach ist, einen guten Pächter mit einem noch besseren Konzept zu finden, ist klar aber keine Entschuldigung. Dafür gibt es Spezialisten, die hier aktiv (schon wieder das Wort) werden können und auch müssen.

An anderer Stelle (bspw. Sindelfingen) arbeitet die ACTIV-Group erfolgreich mit den Gastronomieprofis Rauschenberger zusammen. Die ACTIV-Group ist also eigentlich nicht unerfahren mit Gastronomie. Will sie nicht? Muss sie nicht? Ich sage Danke an Stadt und ACTIV-Group für unsere Jugendherberge. Aber in der Sache Duttenhofer sehe ich nur ein „PASSIV“-Team bei Stadt mit Group. Es zieht sich. Zieht sich zu sehr. Bedeutet ACTIV denn nicht auch aktiv??? Ja natürlich. Aber als Investor naturgemäß und üblicherweise nur in eigener Sache. Die AKTIVGroup ist nicht Gönner der Rottweiler Innenstadt. Warum auch? Sie ist wirtschaftlich ausgerichtet. Es sind Unternehmer und keine Wohltäter. Die AKTIV-Group bespielt viele Objekte und Städte. Rottweil ist nur einer von vielen Standorten. Ohne historischen oder emotionalen Bezug zu unserer Stadt.

Ein Investor verhandelt und wartet ab, bis die für ihn optimalen Bedingungen gegeben sind. Das ist absolut legitim. Aber dauert für uns zu lang. Der AKTIV-Group wird es allein um finanzielles Investment mit entsprechendem „return“ gehen. Wir können die AKTIV-Group nicht in die Pflicht nehmen, uns eine für uns Rottweiler „gude Stub“ am Standort Duttenhofer zu realisieren. Der Ball geht zurück an die Stadt. Natürlich hätte man es dort am liebsten, wenn eine Firma in Eigeninitiative und aus Eigeninteresse plant, investiert und realisiert wie Thyssen- Elevators. Und das auch noch in diesem Tempo. Oder dass es einen Investor mit großem Engagement und Liebe zum Objekt gibt wie Günter Eberhardt bei der „Neckar Line“. Und die Stadt sonnt sich im Schein der Ergebnisse. Aber das hat man eher selten. Hier wurden wir nun zweimal verwöhnt.

Es braucht mehr Rottweiler Eigeninitiative und Engagement bei der Villa. Im 17. Jahrhundert (vgl. Hecht…) hat die Obrigkeit Braumeister mit Geld und Bürgerrecht angeworben, damit die Rottweiler Bürger und natürlich auch die Obrigkeit nicht dürsten mussten. Und für die engagierten Entscheidungsfindungen wurde den Räten Bier ausgeschenkt (vgl. Hecht..). Vielleicht sollte man das wieder einführen.

Als Max Duttenhofer der Stadt seine Villa überließ, machte er diese den Rottweilern zum Geschenk. Zum Erbe mit Auflage. Die Villa darf nicht verkauft werden. Nur genutzt. Sie gehört also nicht der Stadtobrigkeit zur Verwendung und Verschwendung, sondern uns Rottweiler Bürgern. Dir, Dir, Ihnen, Dir und auch Ihnen. Euch! Uns! Wie gehen wir mit unserem Eigentum um? Warum zeigen wir nicht mehr Einsatz und fordern als zu dulden?

Von der Idee, hier für Rottweil ein Spitzenrestaurant zu bekommen, habe ich mich verabschiedet. Obgleich dies notwendig wäre. Es gibt zu wenig große Köche und noch weniger gutes Personal. Aber eine Convenience-Maggie-Beutel-Küche brauchen wir sicher auch nicht. 2-Sternekoch Tim Raue (Berlin) hat nun seine dritte Brasserie (Colette Konstanz) eröffnet. Das ist aktiv! Warum macht er das wohl? Keine aufwändige Küche und kein komplizierter Service. Saisonale und regionale Produkte von hoher und ehrlicher Qualität in einfacher und guter Zubereitung. Es braucht hierfür keinen Spitzenkoch und im Service werden freundliche Aushilfen akzeptiert. Das könnte das Konzept sein. Aber man muss es anpacken. Und im Ausschank beispielsweise auch ein sehr gutes regionales oder noch besser lokales Bier. Bier? Noch ein Rottweiler Notstand.

Wurmlingen hat eine, Flözlingen hat eine und sogar Bösingen hat eine. Ich finde, Rottweil müsste auch wieder eine haben. Eine Brauerei.

Noch im 19. Jahrhundert waren es 15 Brauereien in Rottweil und Anfang des 20. Jahrhunderts immerhin noch 7 (vgl. W. Hecht…). Vielleicht lag es an ausgebliebenen Investitionen in die Pflug- Brauerei und sicher ist es auch mit ein Selbstverschulden der Rottweiler Stadtleut durch Konsumverzicht. Aber wir sind heute seit wahrscheinlich mehr als 1200 Jahren (vgl. W. Hecht…) zum ersten Mal ohne Brauerei. Geht gar nicht.

Zweimal über jeweils 7 Wochen hinweg habe ich beim Pflug in der Brauerei (Sudhaus) gearbeitet. Und einmal in der Graf- Brauerei in Oberndorf. Das Pflug-Bier war ein ehrlich und handwerklich gebrautes Bier. Wir Rottweiler würden uns heute die Finger danach schlecken. Andere Brauereien verwendeten schon lange Hopfenkonzentrat und entfernten den ausgefallenen Trub in der Würze durch Zentrifugen (auch die Brauerei Graf). Bei der Pflug-Brauerei wurde noch mit natürlichen unbefruchteten weiblichen Hopfenblüten gehopft und den Trub ließ man über viele Stunden hinweg im Kühlschiff sich langsam absetzen. Schonender und handwerklicher geht es nicht.

Und so ein bisschen war die Stadt ja dann doch aktiv. Wenn auch nicht sehr kreativ. Denn Gespräche mit einer nahen Großbrauerei als Pächter der Villa Duttenhofer blieben ohne Erfolg. GOTT SEI DANK. Wir brauchen keine seelenlose Zapfanlage. Die Optik einer Großbrauerei ähnelt mehr einer Anlage von Bayer oder BASF als der Geburtsstätte eines Kulturgetränks. Was wir brauchen ist eine Gasthausbrauerei. Handwerklich erzeugtes Bier (bspw. Crafts Beer). Diese neue Generation an Bieren hat nichts mit der Einheitsbrühe der Großkonzerne zu tun. Handwerklich gebraute Biere. Ein gutes Pils oder auch individueller? Ausbau in Eichenfässern, Verwendung verschiedener Hopfensorten, unterschiedliche Stammwürzegehalte oder sogar mit Jahrgang?

Namen gäbe es sicher viele:
Das Duttenhofer
Das Rottweiler (gab es schon mal unter Pflug)
Oder Turmbräu?

Es ist zweitrangig, ob eines Tages ein einfaches Gastronomieoder aber ein Brasserie-Brauerei-Konzept mit angeschlossenen Tagungsräumen umgesetzt wird. Es braucht für den Erfolg eines in jedem Fall: Parkplätze und/oder ein Parkhaus. Es ist gar nicht unbedingt die Frage, ob wir an der Stelle vor der Hochbrücke (Bahnhofstrasse) Parkplätze für die Innenstadt und die Geschäfte benötigen. Wir brauchen Parkplätze oder ein Parkhaus in unmittelbarer Nähe der Villa Duttenhofer für eine funktionierende Gastronomie und ausgelastete Tagungsräume. Nicht erst auf der Gross’schen Wiese. Und wäre es denn nicht schön, wenn in nicht allzu ferner Zukunft bei der Villa Duttenhofer ein Rottweiler dem anderen zurufen könnte:

Komm‘, Karle, oi Türmle goht no!!

Michael Grimm

Quelle: Dr. Winfried Hecht; Die Anfänge des Bierbrauerhandwerks in Rottweil; Rottweil 1987. (Freundliche Leihgabe von Frank Maier, Rottweil)
Skizzen: Hans-Peter Kammerer nach Vorgabe von Michael Grimm

Die Anfänge des Bierbrauerhandwerks in Rottweil (PDF anschauen)


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